Der Konferenzkaffee rauscht in die Konferenztassen, Schokoriegel statt Frühstück gabs auch schon und das Zeitungsabo ins Gästehaus umzubestellen war tendenziell eine gute Idee, leider kommt die Post offenbar erst später - der zweite Tag von Play the Game kann losgehen. Das leicht geänderte Programm beginnt mit Veranstaltungen zu Mega-Events wie Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, später geht es um Sportskandale und das Financial Fair Play Projekt der UEFA.

Die Kollegen Daniel und Jonathan schreiben auch schon fleißig.

Noch einmal zum Nachlesen: die Berichterstattung vom ersten Konferenztag und der Deutschlandfunk-Konferenz am Sonntag.

Den Livestream von Play the Game gibt es hier:

Watch live streaming video from playthegame_dshs at livestream.com

[➥][Anja - Mega-Events: Which Brazil will we discover?]

Für viele Sportler stellt sich nach ihrer aktiven Karriere die Frage: Will ich den Rest meines Lebens von Ruhm und Ehre von damals leben? Ob Raí Souza Vieira de Oliveira, als Fußballer vor allem in den Neunzigern eher bekannt als "Raí", das wollte oder nicht, ist nicht eindeutig überliefert - zumindest nutzt er seine Bekanntheit heute, um in seinem Heimatland etwas zu bewegen. "Brasilianische Sportler verstehen mehr und mehr, wie viele Möglichkeiten sie durch ihre Bekanntheit haben", sagt Raí. "Und auch, dass daraus gewisse Pflichten entstehen."

In den beiden sozialen Projekten "Gol de Letra" (etwa: "Mit einem Wort das Ziel erreichen", gegründet vor knapp 13 Jahren von Raí und dem ebenfalls ehemaligen Fußballer Leonardo) und "Atletas pela Cidadania" sollen und wollen sich ehemalige und aktive brasilianische Sportler engagieren, um die Bildung bei Jugendlichen voranzubringen. Bisher, sagt Rai, bewegen sich nur 16 Prozent der Brasilianer genug, nur jede fünfte Grundschule habe Sportanlagen.

Raí sieht in diesem Zusammenhang sowohl die Fußball-WM 2014 als auch die Olympischen Sommerspiele 2016 gleichzeitig als Herausforderung und als Möglichkeit für Brasilien. Das Land habe als junge Demokratie noch einen langen Weg vor sich, erst vor 30 Jahren überwand Brasilien 25 Jahre Diktatur. Die WM soll den sozialen Wandel beschleunigen: "Es ist möglich, dass wir eine wunderbare organisierte Veranstaltung auf die Beine stellen", sagt er. "Es kann aber auch sein, dass wir zum Beispiel infrastrukturell an unsere Grenzen stoßen." Die Erwartungen an Brasilien seien hoch - genauso wie die Erwartungen in Brasilien an die Veranstaltungen. "Ich wäre natürlich naiv, würde ich denken, dass es nicht auch kleine Gruppen gibt, die sich dabei eher für ihre eigenen Interessen einsetzen, als für die romantische Vorstellung von solchen Veranstaltungen. Aber ich sehe auch die Möglichkeit: Sport für alle!" Er hat das Ziel, die körperliche Betätigung in den zwölf Veranstaltungsstädten der WM bis 2014 zu verdoppeln; bis 2022 will er das im im ganzen Land geschafft haben. "Ich hoffe, dass Sport das Herz meines Landes verändern kann."

[➥][Daniel - John Beech: Sports Mega-Events and the Increasingly Loud 'Anti' Voice]

Der Brite John Beech schätzt, dass 250 Millionen Pfund für nicht erfolgreiche Bewerbungen für Olympia 2012 ausgegeben wurden – verschwendetes Geld. Der Rückhalt der Bürger wird immer wichtiger, auch für das IOC. So müssen Bewerber auch angegeben, ob es eine Gegenbewegung zu großen Projekten gibt. Bewerber müssen immer stärker auf mögliche Kosten von Bewerbungen schauen. So gibt es auch Touristen, die gerade wegen der Spiele im Sommer 2012 nicht nach London kommen. Gibt Bürgerjournalismus den Anti-Olympia-Stimmen mehr Raum? Beech hat Anti-Olympia-Webseiten rausgesucht und untersucht. Die ersten, die er gefunden hat, waren von 1998 gegen die Spiele in Nagano (mittlerweile abgeschaltet). London, Sochi, Chicago. Nolympia München 2018 war bisher eine der professionellsten Anti-Olympia-Webseiten, sagt Beech.

[➥][Daniel - Henrik Brandt: The stadium legacy of mega events: Bright future or future burden?]

Wird durch die immer schrilleren Mega-Stadien, die originär für Mega-Events aus Steuergeld gebaut werden, nur Geld verschwendet? “Wir haben nur die Stadien untersucht, die speziell für die Events (um-)gebaut wurden”, sagt Brandt. 65 Stadien untersuchte Brandt mit seinen Kollegen vom IDAN. Im Schnitt kosteten die (Um-)Bauten 200 Millionen Dollar pro Stadion.

Es gibt Stadien, die im Anschluss gut genutzt werden. So der Sapporo Dome in Japan. Dort spielen regelmäßig zwei Baseball-Teams. Auch das Stadion des FC Porto, gebaut für die EM 2004, rentiert sich. Das Gegenteil: Ecopa Stadion in Japan. 390 Millionen Dollar teuer, für die WM 2002 gebaut – aber im Jahr 2010 kaum Zuschauer. Ein übles Beispiel ist auch das Cape Town Stadion in Südafrika. Das teuerste der untersuchten Stadien (600 Millionen Dollar), jetzt macht das Stadion 5,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr. “Das Stadion wird noch viele Jahre Verlust machen – aber wenigstens siehts gut aus”, sagt Brandt.

Brandt macht eine Rechnung auf: Wenn ein Stadium im Schnitt weniger als zehn Mal pro Jahr ausverkauft ist, nennt er es einen “White Elephant” – also ein teures Bauwerk, das nutzlos in der Gegend herumsteht. “Warum wurden diese Stadien gebaut? Gab es dort einen Grund für den Bau, der über die ökonomischen Rechnungen hinausgeht?” Ein Stadion, das zu diesen Stadien zählt ist übrigens die “Esprit-Arena” in Düsseldorf. 2010 hatte das Stadion laut Brandt insgesamt keine 500.000 Zuschauer, das ist eine Ausverkauft-Relation von nur 8,6. “Seien sie bei dem Wort Visionen vorsichtig. Wenn Verbände das sagen, dann haben sie keinen Businessplan.” Brandt will eine weltweite Recherche starten. Nach der Konferenz werden die Daten beim IDAN veröffentlicht.

[➥][Anja - Ian Nuttall: Before and After: Legacy, lies and lost opportunities in sports building]

Ian Nuttall, der unter anderem die Websites http://www.stadiumbusinesssummit.com/ und http://www.xperiology.com/ betreibt, stellt den Nutall-Index vor - eine Liste von Kriterien, die erfüllt sein sollten, damit sich der Bau eines riesigen Stadions lohnt. An ihm beweist er, dass das Stadion in London, das für die Olympischen Spiele 2012 gebaut wurde, ein sogenannter weißer Elefant ist. "Es gibt keinen strategischen Plan, keine Idee, was man danach damit anstellt. Es gibt keine Partner, die schon jetzt Interesse dafür angemeldet haben." Und niemand, sagt er, will nach den Spielen die Laufbahn nutzen.

Ein weiteres Beispiel aus Nuttalls Sicht für einen weißen Elefanten: Das EM-Stadion in Warschau, das ebenfalls für mindestens 500 Millionen Euro (veranschlagt waren 300) für die Fußball-EM 2012 (in Polen und der Ukraine) errichtet wird und noch keine festgelegte Verwendung hat für die Zeit nach dem Event.

Ähnliches ahnt er für die WM 2014 in Brasilien. "Die Fragen, die sich die Brasilianer stellen müssen, sind: Bauen wir neue Stadien? Wie sieht deren zukünftige Nutzung dann aus? Reduzieren wir deren Kapazität nach der WM?" Die durchschnittliche Besucherzahl für Fußballspiele in den betreffenden Städten selbst mit größeren Fußballvereinen liegt bei etwa 10 000. Die FIFA hat für die Kapazitäten von FIFA-Stadien die generöse Vorgabe: "Die Entscheidung liegt vor allem bei denen, die für die zukünftige Entwicklung des Stadions verantwortlich sind." Doch wie viel Entscheidungsfreiheit, fragt Nuttall, hat beispielsweise die WM-Stadt Fortaleza, wenn für Vorrundenspiele und ein Viertelfinale eine Mindestkapazität von 65 000 Plätzen vorgeschrieben ist?

[➥][Jonathan - Stefan Szymanski: An early assesment of the economic impact of London 2012]

Ein Dreivierteljahr vor Olympia 2012 wagt Szymanski eine erste Beurteilung des ökonomischen Effekts der Londonspiele. Er nennt ein paar zentrale Ziele der Spiele: Großbritannien in die Weltspitze der Sportnationen führen, UK als kreativen und weltoffenen Lebenstandort promoten etc. Eine besondere Schlüsselrolle spielen dabei die Problembezirke in Ost-London (soziale Probleme, schwache Anbindung an die öffentliche Kommunikation, Überbevölkerung, hohe Arbeitslosigkeit), indem ungefähr 2 Millionen Menschen leben. Genau in diesem Gebiet wurde der Olympia Park angelegt. Resultierende Frage: Welchen nachhaltigen Einfluss werden die Spiele auf diese Problembezirke haben?

In den Olympia Park (Virtual Tour via Guardian) wurde aus seiner Sicht eine Menge investiert, um die Umgebung attraktiv zu gestalten und beispielsweise die Infrastruktur professionell zu organisieren. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 ist die Anzahl der Beschäftigten in allen Bezirken kontinuierlich angestiegen, wobei die im Olympia Park Angestellten zum größten Teil nicht in London (mehr als 6.000 Menschen) leben. Die in London lebenden Arbeiter kommen zu einem größeren Teil direkt aus der Umgebung respektive direkt aus den Problembezirken. Ob diese Förderung einen langfristigen Effekt hat, der auch nach den Spielen für eine Beschäftigung sorgt, lässt Szymanski offen. Allerdings belegt er mit Zahlen – die ich auf die Schnelle nicht mitschreiben konnte – einen Anstieg der Grundstück-Wertigkeit in Ost-London.

Ich kann seine Prognosen an dieser Stelle kaum einordnen, möchte aber auf einen Artikel von Sally Halper (kleine PDF) verweisen, in dem sie schon 2009 anmerkte:

“By setting the expectation of a positive and lasting economic impact, the organisers of London 2012 are setting themselves an ambitious target. Given that just about all of the Olympiads before Sydney in 2000 lost money, as Michael Payne points out in his book, Olympic Turnaround (20) – possibly this expectation is unrealistic.”

[➥][Daniel - Nikki Dryden: Swimming in Money: How FINA earns and spends]

Die FINA ist eine Non-Profit-Organisation nach Schweizer Recht. Der Wasserkopf der FINA hat laut Dryden etwa 120 Leute. Die müssen versorgt werden. Die FINA macht jedes Jahr mehrere Millionen Euro Gewinn, gibt aber nur 300.000 Euro im Jahr für “die Entwicklung des Schwimmsports” aus. Selbst für das Essen der Funktionäre geht mehr Geld drauf. Aufgewacht seien Schwimmtrainer und Athleten erst, als die abstrusen FINA-Entscheidungen in Sachen Swimsuits und Sponsoring sie selbst betrafen. Seitdem gibt es erste Widerstände. Dryden wundert sich, warum die Proteste nicht lauter sind. Wohin können sich von der FINA frustrierte Schwimmer wenden? Vielleicht an Sponsoren, vielleicht an regionale Gerichte? Dryden hat selber keine konkreten Ideen, freut sich über Anregungen. “Als Athlet bin ich auf mich und meine Leistung fixiert und habe kein großes Interesse daran, große Zusammenhänge zu überdenken.” Dabei sollten sich Athleten überlegen: Wer macht Geld mit mir? Athleten sollten mehr Fragen stellen, sagt sie - gesteht aber ein, dass sie das in ihrer aktiven Karriere auch nicht getan hat.

[➥][Anja & Daniel - Rasmus Storm: The anatomy of the Sports Scandal: Outset, Development and Effect]

Rasmus Storm stellt ein Modell zur Anatomie von Sportskandalen vor. Er teilt Sportskandale in mehrere Phasen ein und stellt fest, dass sich Veränderungen vor allem ergeben, wenn der Skandal politische Bedeutung hat – und nicht nur moralische. Sein Beispiel: Nach dem Festina-Skandal wurde die WADA gegründet – er hatte so viel Aufmerksamkeit und damit öffentliche Rufe nach Veränderungen generiert, dass diese Lösung beinahe unumgänglich geworden war. Auf Tiger Woods stürzten sich zwar nach Bekanntwerden seiner Affären die Medien und Sponsoren, “für ihn gab es mit Sicherheit auch persönliche und wirtschaftliche Auswirkungen”, sagt Storm. Einen größeren Einfluss auf die Sportwelt hatte dieser Skandal aber nicht, denn er berührte nur sehr die entsprechenden Felder von allgemeinem Interesse wie zum Beispiel Politik oder Recht.

Rasmus Storm

Rasmus Storm / Foto: Daniel Drepper

Der komplette Vortrag von Storm inklusive einiger Folien steht auch schon online.

[➥][Jonathan - Ronny Blaschke: Fußball und Extremismus 1]

Gerade berichtet Ronny Blaschke über Rechtsradikalismus im Fußball und die schwierige Recherche in dieser Thematik. Am Sonntag saß Daniel bereits in Blaschkes Deutschlandfunk-Workshop, seine ausführliche Dokumentation hat Daniel gestern schon 14.12 Uhr genau beschrieben. Wer mehr wissen will, kann sein Buch “Angriff von Rechtsaussen” kaufen.

[➥][Jonathan - Monica Nizzardo: Fußball und Extremismus 2]

Die nachfolgende Rednerin Monica Nizzardo (PtG-Profil) verstehe ich leider kaum. Sie arbeitet für die gemeinnützige Organisation “Salvemos al Fútbol”, die als zentrale Ziele die Aufklärung von Korruptionsfällen und Gewalt im argentinischen Fußball ausgibt.

Anschließend geht ihr Landsmann Javier Szlifman, Journalist und Blogger aus Buenos Aires, näher auf die Gewaltbereitschaft vieler fanatischer Fans im argentinischen Fußball ein. Wieder schwer zu verstehen, aber schon besser: Unabhängig von der generellen Passion vieler argentinischer Fußballfans existieren zahlreiche gut strukturierte Hooligan-Gruppierungen in Argentinien. Die Feindschaft unter den fanatischen Fans nahm in den letzten Jahrzehnten zu. Er berichtet von mehreren Todesfällen in- und außerhalb der Fußballstadien. Ähnlich wie in Italien instrumentalisiert dabei die Politik solche Gruppierungen, nutzt die meinungsstarken Fangruppierungen gewissermaßen als Werbemittel für ihrer Politik. Für Szlifman ein Grund für eine zunächst zurückhaltende mediale Berichterstattung. Diese hätte sich in den letzten Jahren aber verbessert, sodass das Phänomen mehr in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Als Resultat existieren mittlerweile mehrere Projekte und gemeinnützige Organisationen, die das Problem anpacken. Eine positive Entwicklung ist zu erkennen, aber längst noch nicht zufriedenstellend.

[➥][Daniel - Weiter geht's]

Nach längerer Essens- und Redepause (Willi Lemke haben wir verpasst) geht's jetzt weiter. Anja schaut sich Frauenthemen an, Jonathan den Fußball und ich mir die Mega-Events.

Anmerkung: Mit "Frauenthemen" meint Daniel natürlich nicht etwa unangenehme Dinge wie den Vergleich der Medienpräsenz von Sportlern und Sportlerinnen oder das Tabuthema sexuelle Belästigung im Sport, keine Sorge. Habe mich schnell zur Make-up-Messe rübergeschlichen und gehe danach zum Friseur, später mehr von den Frauenthemen von dort.

[➥][Anja - Daniel Beck: The depiction of male and female athletes in the sports press - updates in an old research field]

Sehr überraschend war es nicht, was Daniel Beck von der Universität Freiburg zu berichten hatte: Seine Analyse von schweizer Medien (was für eine Studie das genau ist, reiche ich nach) hat gezeigt, dass Frauen in den Inhalten der Sportberichterstattung unterrepräsentiert sind.

Die Sportart, die 44,4 Prozent der Berichterstattung über Frauensport einnimmt, ist – an dieser Stelle darf man sich einen Tusch vorstellen, aber nur einen sehr kurzen, etwa beachvolleyballerinnenhöschenkurz – Beachvolleyball. Gefolgt von Tennis und “diverse Motorsportarten” mit jeweils 22,7 Prozent.

Die im allgemeinen sehr populären Sportarten wie Fußball oder Eishockey laufen im Bereich des Frauensports eher unter “ferner verschwiegen” um drei Prozent herum.

Die Artikel beschäftigen sich laut Studie auch deutlich öfter mit dem Aussehen und dem Privatleben der Sportlerinnen, als es bei Sportlern der Fall ist – “in diesen Zahlen gibt es keine Veränderung seit einer Studie von 2001”, sagt Beck.

Auch wenig überraschend: Erfolg in Wettbewerben spielt eine große Rolle in der Frage: Berichten oder nicht berichten? 1998, als die Schweiz 4 Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen gewann und alle vier von Männern geholt wurden, nahmen die Athletinnen in der Berichterstattung 31,3 Prozent ein. 2006 waren es fünf Goldmedaillen, vier davon gewonnen von Frauen – und schon waren es 47,5 Prozent, die sie von der Berichterstattung bekamen.

Doch Beck hatte auch noch “one good news!” Die Proportionen von sogenannten “human interest”-Geschichten, also Geschichten aus dem Leben der Sportler fernab des Sports, haben sich verschoben: Inzwischen handeln auch die meisten Artikel über Sportlerinnen von ihnen in ihrer Sportart.

Aber da sich nicht alles gleichzeitig ändern kann, damit den Lesern, Hörern und Zuschauern nicht an allen Fronten gleich schwindelig wird: Von Sportlerinnen werden immer noch häufiger Fotos abgedruckt, auf denen sie in Situationen abgebildet sind, die nichts mit ihrer Sportart zu tun haben.

[Update] Die Zahlen zur allgemeinen Verteilung der verschiedenen Sportarten sind entnommen aus der International Sport Press Survey von Thomas Horky und Jörg-Uwe Nieland, die folgenden schweiz-spezifischen Daten haben Beck und sein Forschungsteam in diversen Studien der letzten Jahre ermittelt und dargestellt, zum Beispiel in der Untersuchung "Entwicklung des Sportjournalismus in der Schweiz".

[Korrektur] Am späteren Abend gab es noch eine Mail von Daniel Beck, der ein paar Dinge deutlicher darstellen bzw. korrigieren wollte.

[➥][Daniel - Ted Fay: The Youth Olympic Games: A Vehicle for World Peace]

Können die Olympischen Jugendspiele besser sein als die echten Olympischen Spiele? Sie könnten, vielleicht. Oder will das IOC andererseits die Olympischen Jugendspiele doch nur nutzen, um die Marke Olympia und deren Profite weiter zu steigern? Sollen die 14- bis 18-Jährigen nur stärker herangeführt werden, um auf Olympia steil zu gehen (um dem Jugendthema angemessen zu texten)? Wer profitiert? Werden Fälschungen des Alters – wie auch schon in Peking 2008 – und das Doping Minderjähriger die nächsten großen Skandale produzieren bei Olympia? Ist Gewinnen bei den Olympischen Jugendspielen wirklich zweitrangig? Das Olympische Erziehungsprogramm beinhaltet die wichtigsten Erziehungsthemen (Ethik, Bewegung, Persönlichkeitsbildung etc.) – aber: funktioniert das? Wie lernen Jugendliche solche Dinge überhaupt? Ted Fay stellt viele Fragen, liefert nicht so viele Antworten. Das Thema bleibt – zumindest wenn man zwischendurch themenfern in seinem Kalender kritzelt und nicht alles mithört – eher schwammig.

In der Diskussionsrunde folgt die These, dass die Jugend durch die Jugendspiele nur noch schneller verbrannt wird. Wer mit 14 bei den Jugendspielen startet – wie geht es weiter mit dem? Nikki Dryden berichtete daraufhin aus ihrer aktiven Zeit als Schwimmerin: Sie schaffte es mit 15 in ein nationales Jugendteam. Von den 50 Mitgliedern dieses nationalen Jugendteams schafften es letztlich aber nur vier Leute (Dryden und drei Männer) ins offizielle Nationalteam.

Länger beschäftigt hat sich mit den Olympischen Jugendspielen Jens Weinreich. Hier seine Texte zu den ersten Olympischen Jugendspielen in Singapur 2010.

[➥][Daniel - Fernando Borges: The Role of FIFA Fan Fest at South Africa World Cup 2010]

Das FIFA-Fan-Fest in Südafrika also. Einige Kennzeichen dieser Fanfeste listet Borges auf: Freier Eintritt, ein Sicherheitsdienst, in der Nähe vom Stadion und ein großer Bildschirm. Präsentiert werden die Fanfeste von der FIFA als gute Alternative zum Besuch des Stadions. Die Leute gehen laut Borges zum Fan-Fest, weil: gute Leute im Publikum sind; es einen großen Bildschirm gibt; das Bier billiger ist als im Stadion (!); eine gute Atmosphäre herrscht und die Tickets für 8 Dollar recht günstig sind.

Borges behauptet, moderner Kapitalismus brauche sportliche Wettkämpfe zwischen Nationen, die Welt brauche Mega-Events. Wie gesagt, behauptet Borges.

Borges hat versucht, die Fanfeste in Südafrika mit denen von 2006 zu vergleichen. Seine Hauptpunkte: Weniger Leute vor Ort; im Winter ist das irgendwie nicht so toll; der Erfolg der Feste ist ansonsten schwer zu kontrollieren. Die FIFA und das lokale Organisationskomitee geben keine Infos raus und die südafrikanischen Journalisten haben nur die guten, schönen, angenehmen Geschichten erzählt, statt kritisch zu berichten. Für die FIFA war es offenbar ein Erfolg, weil der Kosten-Nutzen-Effekt hoch war (Nutzen im Sinne von Medienberichterstattung). Naja. Hätte ich diesmal doch besser weiter draußen plaudern sollen.

[➥][Jonathan - Q&A: Financial Fair Play, or Football's Foolish Plan?]

Die letzten Worte von John Beech, dem letzten Redner dieser Session, habe ich noch gehört: Tiefe, tiefe rote Zahlen für die Premier League. Bei der anschließenden Q&A meldeten sich mehrere Juristen zu Wort. Jede Menge Rechtsfragen. Der DFL-Finanzchef Christian Müller saß nur noch als Beobachter auf dem Podium und ich schweigend zwischen den Klappsitzen. Over and out.

[➥][Daniel - Pizza]

Für heute ist hier Schluss. Es gibt Pizza und dann geht’s in die Stadt. Bis morgen!

[➥][Anja - Korrektur]

Doch noch nicht Schluss - Daniel Beck hatte ein paar Anmerkungen:

Beachvolleyball nimmt nicht 44,4% der Berichterstattung über Frauensport ein, sondern 44,4% der Artikel über Beachvolleyball handeln von Frauen. Das wäre ein vergleichsweise sehr starker Frauenanteil, "aber faktisch sind es vier von neun Artikeln, also statistisch eine verschwindend kleine Zahl".

Des weiteren: "Keine Veränderung im Vergleich zu 2001 gab es nur bezüglich des Frauenanteils, den habe ich direkt verglichen, nicht aber bezüglich der Themensetzung."

Außerdem bestätigt sich wieder einmal, dass man selbst bei der Dichte an Informationen und der großen Zahl von Workshops und Panels auch Fakten wie die Anzahl der Medaillen der Schweizer Mannschaft gegenchecken sollte: "Bei den Medaillen war meine Darstellung selbst etwas verwirrend, da ich bei Nagano von Medaillen allgemein und bei Turin nur von Goldmedaillen gesprochen habe. Wenn man nur die Goldmedaillen betrachtet, sind es in Nagano zwei für die Männer und keine für die Frauen, in Turin vier für die Frauen und eine für die Männer." In seinen offiziellen Folien zur Studie hat Beck dies inzwischen korrigiert. Überraschend ist die Entwicklung so oder so nicht, "ich fand aber doch noch interessant, dass die erfolgreichen Frauen die Berichterstattung über Turin nicht noch stärker dominiert haben, also nicht einmal über 50% gekommen sind", schreibt Beck.