Auch am vierten und letzten Tag der Sportjournalismus-Konferenz "Play the Game" schauen mich die freiwilligen Helferlein noch merkwürdig an, wenn ich dankbar-debil grinsend die Kaffeetasse entgegennehme. Dabei müssten sie mich inzwischen eigentlich kennen und ich habe heute extra meinen "Diesen Pokal habe ich nun wirklich nicht verdient!"-Blick aufgesetzt, damit sie verstehen, wie ernst es mir damit ist. Schaue nach links und rechts - weder Mitblogger Daniel noch Jonathan ist da, um mir so beschwichtigend-verständnisvoll zuzunicken, wie sie das in den letzten Tagen so oft getan haben.
Weiter geht's trotzdem mit dem Programm, den größten Unterhaltungsfaktor verspricht die Session "FIFA under fire", zu der sich offenbar auch zwei FIFA-Offizielle eingeladen haben - ins Publikum. Anschließend werden Andrew Jennings und Jens Weinreich über “Change in Sport Day” sprechen. Später wird es hier auch um einen Beschluss gehen, den einzigen ausformulierten auf dieser Konferenz: “Cologne Consensus: Towards a global charter for better sports governance”.

Der Livestream dazu wie immer hier:

Watch live streaming video from playthegame_dshs at livestream.com

Jonathan war auch schon fleißig und hat ein zauberhaftes Bild von einem Salzstangen-Kunstwerk gebloggt, bei dem er mit Sicherheit später noch einen Ideenhinweis nachreicht.

FIFA

[➥][Anja - Ezequiel Fernández Moores: The ball remains the same: The 91 years of reign of Leoz, Grondona and Teixeira]

Viel hat sich geändert in Südamerika, sagt Ezequiel Fernández Moores - nur nicht die Menschen, die die Sportpolitik bestimmen, vor allem in Fußball und vor allem drei besondere Figuren: Julio Grondona (seit 1979 Präsident des argentinischen Fußballverbandes), Ricardo Teixeira (seit 1989 Präsident des brasilianischen Fußball-Nationalverbands) und Nicolas Leoz (seit 1989 Präsident der Südamerikanischen Fußball-Konföderation). Von Teixeira war bereits gestern die Rede, mit Grondona darf man gern die Wirrungen um die Vergabe der Fußball-WM nach Katar verbinden und auch Leoz gehört in diesen Dunstkreis.

Mit trauriger Genüsslichkeit zählt Moores die Jahre zusammen, die sie bereits in ihren Ämtern wirken (91 sind es), der Übergang zu den Regentschafts-Spannen anderer Fußballfunktionäre ist fließend. Bild um Bild zeigt Moores die angegrauten bis weißhaarigen Funktionäre des Kontinents, die sich ebenfalls jeweils seit Jahren nicht mehr wegdenken lassen wollen - und endet bei Justino Compean, dem Präsidenten des mexikanischen Fussballverbandes (erst seit 2006) und Vizepräsident der Nord- und Zentralamerikanischen und karibischen Fußballkonföderation CONCACAF. Auch an ihm werde man noch eine Weile seine Freude haben, sagt Moores, "er ist erst 84 Jahre alt".

[➥][Daniel - Auswärtsreise]

Ich bin heute an der Uni in Dortmund. Ich hoffe, ich komme rechtzeitig zurück nach Köln: Heute Abend wird der “Cologne Consensus” verabschiedet, außerdem wartet die Abschlussparty.

[➥][Anja - "Blogosphäre"]

Auf den letzten hundert Metern fange ich an zu schwächeln: Für die 15-minütigen Essays über den state of the art, die gerade James Corbett, Lasana Liburd, Steve Menary und Roger Pielke auf dem Podium präsentiert haben, war ich einfach zu langsam und der kleine Teil im Hirn, der sich um das Entschlüsseln diverser Dialekte kümmern sollte, hat noch nicht mal gemerkt, dass wir schon wach sind.
Dafür habe ich sie immerhin hiermit halbwegs anständig verlinkt - Pielke und Menary bloggen ihrerseits auch von "Play the Game".

[➥][Jonathan - Walter de Gregorio]

Gleich… Sepp Blatter’s Round Table: "Systemic corruption in the government of world football" mit Jens Weinreich & Andrew Jennings… Dem heute neu angereisten Konferenzgast Walter de Gregorio, neuer Kommunikationsdirektor der FIFA, ist es tatsächlich gelungen eine volle Kaffeetasse in den Raum zu schmuggeln. Er beobachtet JW und AW bei ihren Vorbereitungen… Zusammenfassung folgt.

[➥][Jonathan & Anja - Jens Weinreich & Andrew Jennings: Sepp Blatter’s Round Table: Systemic corruption in the government of world football]

Andersen betont die Überschrift des letzten Tages "change in sport" und stellt Christer Ahl vor, der die kommende Session moderieren wird. Vor zwei Jahren hat Ahl hat bei dieser Konferenz als Insider über die Situation im Welthandballverband berichtet. Er betont: Der "change in sport" Titel ist ein Aufruf an alle Teilnehmer. Heute soll mit der Umsetzung der besprochenen Themen begonnen werden. Genug Theorie. Warum ist es so schwierig Leute zum sprechen zu bekommen? Er berichtet von den Schwierigkeiten, das Interesse für einen sauberen Sport in der Öffentlichkeit zu verankern. Es wird lieber über ein grandioses Champions Finale mit Barcelona gesprochen, als offensichtlich Skandale bei der WM-Entscheidung 2018/2022. Christer Ahl sagt: "Wir sehen ja die schöne Seite des Sports, die positiven Aspekte, worum es wirklich gehen sollte. Aber das Problem ist: Es ist mehr als das notwendig. Es reicht nicht aus, live von Sportevents zu berichten, Statistiken zu Sportlern zu veröffentlichen, über ihre Freundinnen oder Freunde schreiben, und alles andere unbeachtet zu lassen." Eine Veranstaltung wie Play the Game sei schon der richtige Weg, das beste Forum, um sich auszutauschen, mit Gleichgesinnten zu sprechen. "Aber es ist noch mehr Anstrengung nötig. Es ist auch noch nicht genug, dass wir hier sitzen und nur miteinander sprechen."

Als erster Redner betritt Andrew Jennings die Bühne. Seit 1997 besucht Jennings die Konferenz. Er reist um die ganze Welt, erzählt er - nur nicht zum Headquarter der FIFA. Dort hat Jennings Hausverbot. Nun erklärt er die Welt der FIFA. Das Problem dabei: Er tut es in diesem leicht spöttischen Tonfall, der sich wahrscheinlich irgendwann einschleichen muss, wenn man schon mehr als 50 Jahre als Journalist arbeitet - und er tut das mit einer Hingabe, mit der man kleinen Kindern abends eine Gruselgeschichte vorlesen müsste. Er beugt sich verschwörerisch über das Mikrofon und flüstert, er knurrt die dunkelsten Fragen zur FIFA mit seiner dunkelsten Stimme heraus, er flucht wie nebenbei über den "shameless crook" Sepp Blatter - und es gibt tatsächlich Lacher, obwohl das Thema das eigentlich kaum hergibt.

Trotz der Theatralik, Jennings' Aussagen sind deutlich und berufen sich auf Fakten: "Wir müssen ernsthaft darüber nachdenken: Was IST diese Organisation? Was ist dieses Ding, über das wir berichten? Wir müssen einen Schritt zurückgehen, von dort auf die FIFA sehen und uns fragen: Warum ist sie so korrupt? Warum ist Blatter so ein shameless crook?" Die Korruption habe bereits jeden einzelnen Teil der FIFA infiziert. "Diese Menschen sprechen immer von der 'Fußballfamilie', von der 'FIFA-Familie'." Er reißt den Mund auf und gähnt. "Aber dann ist mir aufgefallen, was sie mir damit sagen wollen: Die FIFA ist ein Verbrechenskartell!" Eine Maschine, gesteuert von Blatter, geschmiert mit dreckigem Geld, sagt er.

Jennings endet natürlich auch mit einem Witz - "ich hab' sie für dich schonmal warmgemacht, Jens", schmettert er Jens Weinreich entgegen, der der nächste Redner ist. Alle Zuhörer im Auditorium lachen - nun ja, fast. De Gregorio nicht.

[➥][Jonathan & Anja - Gregorio gegen Jennings]

Weinreich ist gerade fertig mit seiner Erklärung, welche Dinge sich in den Sportverbänden - vor allem der FIFA - und in der Berichterstattung über den Sport ändern müssen (diese Punkte reichen wir nach bzw. verlinken auf den Blogeintrag), da steht de Gregorio auf. [Update: Gerade noch einmal richtig nachgeschaut im Stream - wir hatten gar nicht mitbekommen, dass Andrew Jennings - etwa nach 41 Minuten - mitten in der Diskussionsrunde in den Zuschauerraum fragte: "Ist nicht der neue Direktor der FIFA für Kommunikation hier? Hallo, wo sind Sie? Ich weiß, Sie sind hier im Gebäude! Wie viel bezahlen sie Ihnen denn dafür, dass Sie hier sind?"]
"Ich bin kein Betrüger und kein Krimineller", sagt de Gregorio, unterdrückt die Wut in seiner Stimme kaum und sieht über zehn Bankreihen hinweg nur Jennings an, "ich habe noch niemals jemanden umgebracht - auch wenn ich das manchmal gerne würde. Die Mafia hat tausende Menschen umgebracht - und die FIFA ist letzen Endes doch nur Fußball. Es ist respektlos, diese Dinge zu vergleichen." Es gebe immer zwei Seiten einer Geschichte und damit auch zwei Wahrheiten - zum Beispiel von der Aussage, die FIFA habe Jennings Hausverbot erteilt, weil er unbequeme Fragen gestellt habe. Der Grund dafür sei das unangemessene Verhalten des Journalisten während einer Pressekonferenz gewesen. Er habe die PK als Plattform für sich genutzt, anstatt konstruktive Fragen zu stellen, die auch beantwortet worden wären.

Nach seinem Statement klatscht etwa die Hälfte der Menschen im Saal, man darf es wohl als Höflichkeit auslegen, aber auch als Anerkennung mit gewissen Einschränkungen - noch vor ein paar Jahren, so sagen PfG-Organisatoren, habe die FIFA Beobachter inoffiziell zu "Play the Game" geschickt. Dennoch: Die FIFA hat es auch in diesem Jahr versäumt, sich beispielsweise in einem eigenen Panel ausführlich und in einem vernünftigen Diskussions-Umfeld den Fragen der Teilnehmer zu stellen.

Jennings bezeichnet de Gregorios Aussagen wiederum als Lügen und fordert ein klares Bekenntnis der FIFA zu wirklicher Transparenz: "Dann stellt doch alle eure Dokumente online und streamt eure Sitzungen...Das werdet ihr aber nie tun!"

Das Video von Jennings' und Weinreichs Reden und der Diskussion danach als Stream:

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Nach dem Panel scharen sich die PtG-Teilnehmer um FIFA-Kommunikationsdirektor Walter de Gregorio (im grauen Anzug) / Foto: Jonathan Sachse

Walter de Gregorio und die Presse

[➥][Daniel - Atmosphäre]

Der Sportinsider hatte gestern wie erwähnt in den Kommentaren nach der Stimmung gefragt. “Gibt es in den Pausen kontroverse Diskussionen? Wie ist generell die Atmosphäre vor Ort? Wie ist die Unterkunft und Verpflegung im Detail?” Während Jonathan und Anja Andrew Jennings und Jens Weinreich lauschen, sitze ich im Zug und sorge für den weichen Content: Gepennt haben wir in einem Gästehaus an der Sporthochschule (Anja) beziehungsweise bei Freunden (Jonathan und ich). Jonathan und ich haben mittlerweile vier beziehungsweise drei verschiedene Schlafplätze gehabt. Die Schlafzeit sinkt aber ohnehin von Nacht zu Nacht. Von sieben runter bis auf zuletzt gut drei, meist sind wir noch ein wenig in Köln unterwegs.

Die Konferenz ist in der Sporthochschule. Die Atmosphäre ist entspannt, fast ruhig, finde ich. Die Vorträge sind in ganz klassischen Hörsälen, es gibt einen kleinen Presseraum – den Schulungsraum der Uni – mit 20 Plätzen, die aber meist nur zum kleinen Teil belegt sind. Mittags geh'ts in die Mensa, nachmittags gibt's Kuchen, abends Pizza oder Buffet. Und die Getränke sind gratis. Ich hoffe das war genug Verpflegungswissen.

Ich hätte mir die Konferenz noch größer vorgestellt, hätte gedacht, dass mehr Journalisten dabei sind. In den Pausen und bei weniger spannenden Vorträgen ist genug Zeit zum rRden, selbst für Liveblogger. Auch für gute Diskussionen; zum Beispiel über die eigene Zukunft, die des Bloggens und des Journalismus. Was man halt so redet als Journalist. Was ich sehr angenehm fand war der Sportpolitik-Tag des Deutschlandfunks am Sonntag. Ein guter Tag zum Reinkommen mit Leuten, die man lange nicht gesehen hat (ins Blaue: vielleicht 80 Leute). Falls Anja und Jonathan das anders sehen, bitte ich um Korrekturen.

[➥][Daniel - Jens Sejer Andersen im taz-Interview]

Bisschen Lesestoff für zwischendurch: Die taz hat ein Interview mit Play the Game-Organisator Jens Sejer Andersen geführt. “Kein Mensch der Welt glaubt, was Sepp Blatter sagt.” Andersen sagt: “Das Problem ist, dass gerade die Top-Funktionäre der weltweiten Sportverbände ohne Kontrolle agieren.”

[➥][Jonathan - Technikpause]

Wir werden das Liveblogging für kurze Zeit unterbrechen, rechne mit einer Stunde. Zwei Gründe:

1. Mac-Akku laden (in den Hörsälen dürfen die Steckdosen nicht benutzt werden)
2. Nutze die Gelegenheit, um mehr Struktur in die einzelnen Abschnitte zu bringen. Dank dogfood kenne ich endlich die Funktion für lokale Anker, fiese Fleißarbeit.

[➥][Jonathan - Back to game]

Fleißarbeit beendet. Jetzt sind alle unsere Einträge mit lokalen Ankern versehen, also direkt verlinkbar. Macht gerne Gebrauch davon.

[➥][Jonathan - Jean-Loup Chappelet: Governance of sport governance: The limits to autonomy]

Nach einer längeren technischen Pause werden wir die folgenden Session bis zum Ende mitverfolgen. Der Schweizer Jean-Loup Chappelet vergleicht gerade die Management-Strukturen des IOC und der FIFA. Wir werden die Tabellen hier verlinken, sobald sie online zur Verfügung stehen. Lohnt sich da immer mal wieder reinzuschauen, um das journalistische Basiswissen aufzufrischen. Neben den vielen, vielen Gemeinsamkeiten sei nur ein Unterschied exemplarisch genannt: Das IOC setzt sich aus 115 natürlichen Personen (Mitgliedern) zusammen. Die FIFA besteht aus 208 verschiedenen nationalen Fußballverbänden.

In seinen Ausführungen betont Chappelet die unkontrollierbaren Management-Strukturen in den beiden Verbänden. Auch er betont die Notwendigkeit eines “Watchdog”, um eine externe unabhängige Überwachung zu garantieren. Wie in jedem anderen Unternehmen sollen Sportverbände zur Transparenz verpflichtet werden. Als Startmaßnahme könnte ein “Global Sport/ Index Code” definiert werden, der sich aus Indikatoren wie Alter, Geschlecht und Nebeneinkünfte zusammensetzt.

[➥][Anja - Jerome Champagne: Which FIFA in the 21st Century?]

Eigentlich ist es ja alles ganz einfach. Sagt Jerome Champagne. Aber wahrscheinlich fühlt sich plötzlich alles irgendwie einfach ein, wenn man wie Champagne nicht mehr Direktor für Internationale Beziehungen bei der FIFA ist. Bisher habe er nie über seine Zeit bei der FIFA und vor allem nicht über seinen ehemaligen Chef Sepp Blatter sprechen wollen, sagt er. "Ich wollte mir erst einmal Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was wichtig ist für die Zukunft. Und jetzt bin ich hier, um darüber zu sprechen - über die Zukunft, nicht über die Vergangenheit und auch nicht über die Gegenwart."

Das tut er dann doch, als er weit ausholt um zu erklären, dass das Modell FIFA grundsätzlich kein schlechtes ist - nur eben in seiner aktuellen Form. "Der Fußball befindet sich gerade in einer Krise - wirtschaftlich, es gibt Spielverschiebungen, Doping, Vertrauensverlust. Aber der Fußball hat in der Vergangenheit schon einige Krisen durchgestanden." Ein Beispiel dafür, dass das möglich ist: "Es gibt Betrug im Fußball - aber es gibt auch den Willen, darüber zu berichten."

Damit also aus der aktuellen FIFA eine wird, mit der man gern in die Zukunft gehen möchte, braucht es vor allem: Balance. Mehr Gleichgewicht zwischen Profifußballern und Amateurfußballern, mehr Gerechtigkeit bei der Zusammenarbeit von Vereinsfußball und Nationalmannschaften, ein Gleichgewicht zwischen Globalisierung und der nationalen Identität der Verbände und Vereine, zwischen dem Bedarf, Geld zu haben, und den Gefahren, die davon ausgehen. Ein Gleichgewicht zwischen den Fußballvereinen auf der ganzen Welt: "Es ist arrogant zu glauben, dass das, was für den europäischen Fußball gut ist, auch für den weltweiten Fußball gut sein muss. Wir müssen von unserer eurozentrischen Vorstellung loskommen", sagt Champagne. "Und es ist auch nicht fair, so zu tun, als würde man den weltbesten Verein finden, indem man den besten Verein Europas gegen den besten aus Südamerika spielen lässt – was ist den mit asiatischen Vereinen? Mit afrikanischen Vereinen? Auch darüber müssen wir nachdenken."

Damit diese Umwälzung funktionieren kann, sagt Champagne, müssen vor allem die Spieler und die Clubs mehr in die Verbandsarbeit und die Entscheidungen eingebunden werden anstelle ihrer indirekten Vertretung. "Wir müssen einen weltweiten demokratischen Verband von Vereinen gestalten mit Vertretern für Vereine und Spieler." Außerdem gehe es natürlich darum, die Strukturen der FIFA so zu verändern, dass Transparenz gewährleistet ist.
Das 21. Jahrhundert ist ja auch noch lang genug, um das zeitlich zumindest schon einmal möglich zu machen.

[➥][Jonathan - Anne Schwöbel: How integrity in sports can be preserved - a perspective on international sports organisations in Switzerland]

Die Geschäftsführerin von Transparency International Schweiz beschreibt in einem kurzen Vortrag einen Zwei-Wege-Ansatz, mit der aus ihrer Sicht die Korruption in Sportorganisationen bekämpft werden kann. In einem ersten Schritt sollen Risikofaktoren bestimmt werden. Dabei müssen die für Korruption anfälligen Gebiete/ Positionen definiert werden. An dieser Stelle ruhig mal die “Checkliste für Korruption” anschauen, die Jens Weinreich im Februar verlinkt hat. Zudem sollen existierende Fälle und Erfolge evaluiert werden. Anschließend kann im zweiten Schritt ein Anti-Korruptionsprogramm entwickelt werden. In dem Programm muss ein Anti-Korruptions Code definiert werden. Die beschlossenen Vereinbarungen müssen von allen Partner, Agenturen und Dienstleister der Sportorganisation bestätigt werden.

[➥][Anja - Ehre, Ehre]

Den Play the Game-Award 2011 müssen noch in ihre Koffer quetschen, bevor es zurück nach Hause gehen kann: Andrew Jennings und Jens Weinreich.

[➥][Daniel - Cologne Consensus]

Die Teilnehmer von Play the Game verabschieden zum Abschluss den “Cologne Consensus”. Die Vorschläge für internationale Standards zur Korruptionsbekämpfung schließen mit einer Aufforderung an das IOC, bis Ende 2012 eine große Konferenz zu diesem Thema zu organisieren. Beteiligt sein sollen: Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, nicht-olympische Sport-Organisationen, Medien, Wissenschaftler und andere Experten. Am genauen Wortlaut wird noch gefeilt, wir reichen das Papier nach.

[➥][Anja & Jonathan & Daniel - Christer Ahl und der Cologne Consensus]

Wir haben als vorerst letzte Amtshandlung noch mit Christer Ahl gesprochen. Ahl war im Internationalen Handball-Verband für Regeln und Schiedsrichter zuständig, bis er als Whistleblower verschiedenste Skandale auffliegen ließ. Er hat am Cologne Consensus mitgearbeitet, dem Abschlussdokument dieser Tagung. Einen ersten Ausschnitt aus dem Gespräch gibt's jetzt schon, in den nächsten Tagen legen wir zwei längere Gespräche mit ihm auf englisch und deutsch nach.

Play the Game: Christer Ahl zum Cologne Consensus from Jonathan Sachse on Vimeo.

[➥][Anja - Eingerollt]

Natürlich könnte ich es lang und dramatisch machen. Hatte ich auch ernsthaft vor, wofür sind Abschiede schließlich sonst da? Aber dann erhob sich plötzlich in der Sitzreihe vor mir wie aus dem Nichts die Teilnehmerin mit der lila-roten Matte. Sie stand auf, rollte ihre Matte ein und ging - und irgendwann, irgendwo auf dieser Welt, wird sie sie mit Sicherheit auch wieder entrollen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Lila-rote Matte